Erfolgreiche Erzählstrategien in internationalen Krimiserien – Podiumsdiskussion

Donnerstag, 7. März, 18 Uhr im Literaturhaus Villa Clementine, Frankfurter Str. 1, 65189 Wiesbaden, Eintritt frei

Anmeldung unter: wiesbaden@fernsehkrimifestival.de

Wallander, Sherlock Holmes, Inspector Barnaby – nicht nur deutsche Krimihelden begeistern die Zuschauer. Vor allem Jüngere neigen dazu, ihre Serienstars vornehmlich in ausländischen Produktionen zu suchen und auch zu finden. Trotz der reichhaltigen deutschen Krimiserien-Tradition kamen die meisten Innovationen der letzten Jahre aus den USA, Großbritannien oder Skandinavien. Aber wie sollte ein zeitgemäßer Krimiserien-Held überhaupt gestrickt sein? Und was zeichnet einen spezifisch deutschen Serienhelden aus?

In der Struktur von Krimiserien hat sich Vieles getan. Die Formate nehmen geradezu romanhafte Dimensionen an: THE WIRE, THE SOPRANOS, die vielfach preisgekrönte US-Serie HOMELAND, aber auch deutsche Serien wie KDD – KRIMINALDAUERDIENST oder IM ANGESICHT DES VERBRECHENS setzten neue Maßstäbe in Sachen Dramaturgie und Ästhetik. Doch wie komplex darf eine Krimiserie eigentlich sein, ohne den TV-Zuschauer zu überfordern?

Nicht zuletzt ist die Erzählweise dynamischer geworden. Zahlreiche Parallelhandlungen wie in THE WIRE, Erzählungen in gefühlter Echtzeit wie in der Actionserie 24 – TWENTY FOUR oder ausufernde Privatgeschichten der Ermittler scheinen die klassische Tätersuche zur Nebensache zu machen. Für den Erfolg der Serie wird es immer wichtiger, dem Zuschauer neben der Lösung des kriminalistischen Rätsels verstärkt auch eine emotionale Ebene zu bieten. Wie also muss erzählt werden, um auch ein jüngeres Publikum wieder für die deutsche Serie zu gewinnen?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich unsere Podiumsdiskussion. Gemeinsam mit Markus Brunnemann, Daniel Eschkötter, Bernd Graff, Peter Nadermann und David Ungureit beleuchtet der Autor und Dramaturg Gunther Eschke die ästhetischen Entwicklungen der modernen Krimiserie.

Podiumsteilnehmer

Markus BrunnemannMarkus Brunnemann, Jahrgang 1972, zählt mit seiner Firma Phoenix Film zu den führenden Serienproduzenten Deutschlands. Er war viele Jahre als Gastdozent im Studiengang Produktion an der Filmakademie Baden-Württemberg tätig. 2005 und 2006 war er Mitglied der Jury des Deutschen Fernsehpreises. Seit Januar 2013 ist er neben Nico Hofman und Joachim Kosack Geschäftsführer der UFA Fiction.

 

Daniel EschkötterDaniel Eschkötter studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft. Seit 2010 ist er als wissenschaftlicher Koordinator an der Universität Weimar tätig. In seiner Forschung widmet er sich Gespenstern der Geschichte in Kino und Literatur, Arbeitsästhetiken des Films und Institutionen in Filmen und Fernsehserien. Er ist Kritiker bei der Zeitschrift CARGO Film/Medien/Kultur und Autor eines Buches über die amerikanische Serie THE WIRE (diaphanes Verlag Zürich und Berlin 2012).

Bernd GraffBernd Graff, geboren, Schule, Studium. Journalist bei der Süddeutschen Zeitung seit 1992: erst Print, dann online (16 Jahre), jetzt wieder Print (Feuilleton, Medien). Lieblingssätze: „We have a situation here“. „Er hat viel Blut verloren.“ „Wir müssen die Satelliten neu ausrichten.“ Mag Hochhäuser nicht, sonst kerngesund.

 

 

Peter NadermannPeter Nadermann begann 1985 als Redakteur im Kleinen Fernsehspiel. Von 1993 bis 1999 war er Professor an der KHM in Köln und gründete in dieser Zeit die Schreibschule und die Filmschule NRW. Seit 1999 produzierte und koproduzierte er für die ZDF-Tochterfirmen Network Movie und ZDF Enterprises eine Vielzahl von Spielfilmen, TV Movies und Serien. Dabei brachte er auch die skandinavischen Krimis von Henning Mankell, KOMMISSAR BECK, KOMMISSARIN LUND und viele weitere auf den Bildschirm und Stieg Larsons MILLENNIUM-Trilogie ins Kino. Seit 2012 ist er Geschäftsführer der Nadcon-Film.

David Ungureit

David Ungureit, geboren 1964 in Frankfurt/Main, schrieb Sketche fürs Radio, bevor er sich als Autor von Fernsehserien einen Namen machte. Er entwickelte das Konzept und über 40 Folgen der Kölner Familienserie DIE ANRHEINER und war Headwriter für viele Folgen von ALPHATEAM, sowie für zahlreiche weitere Sitcoms, Krimis und Kindersendungen verantwortlich. Seit 2012 schrieb er mehrere Folgen für DANNI LOWINSKI und NOTRUF HAFENKANTE und Drehbücher für Kinofilme. WENN INGE KOMMT, sein neuester Film, kommt im Juni ins Kino.

Moderation

Gunther EschkeGunther Eschke, geboren 1966 in Offenbach/Main, studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin sowie Film- und Fernsehdramaturgie / Drehbuchschreiben an der HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam. Von 2001 bis 2009 war er festangestellter Lektor und Dramaturg im Bereich Deutsche Fiction und Koproduktionen bei SAT.1 und zuständig für die dramaturgische Entwicklung und Konzeption verschiedener Serien, Sitcoms und Soaps. Zwischen 2009 und 2012 arbeitete er als freiberuflicher Creative Producer, Lektor und Dramaturg. Seit 2012 ist er festangestellter Dramaturg bei Real Film Berlin. Zusammen mit Rudolf Bohne schrieb er des Fachbuch Bleiben Sie dran! Dramaturgie von TV-Serien (erschienen 2010 im UVK Verlag).